Demografischer Wandel – auch in Marklkofen spürbar

Im Vorfeld der Kommunalwahl am 16. März besuchte Peter Eisgruber-Rauscher als Kandidat für den Posten des 1. Bürgermeisters von Marklkofen auch das Bürgernetzwerk „Bürger für Bürger“ der Gemeinde.

Das Netzwerk wurde vor rund eindreiviertel Jahren vom Seniorenbeauftragten und 2. Bürgermeister Otto Lommer ins Leben gerufen. Peter Eisgruber-Rauscher, bereits seit 2008 als Gemeinderat für die Gemeinde aktiv, interessierte sich dabei besonders dafür, welche Herausforderungen mit dem demografischen Wandel auf die Gesellschaft und auf die Gemeinde Marklkofen im speziellen zukommen und wie Probleme durch sinnvolle Maßnahmen möglichst schon im Vorfeld angegangen werden können.

Gründung “Bürger für Bürger”

buerger-fuer-buerger-netzwNach der Vorstellung der aktiven Mitglieder – Corinna und Alois Aichner, Brigitte Bergmann, Konrad Ertl, Therese und Werner Fischl, Xaver Horn, Tanja Lang und Heike Mahler-Voll – gab Otto Lommer einen Überblick über die Aktivitäten seit dem Start der Freiwilligen-Initiative. Der Anstoß zur Gründung kam damals aufgrund des Senioren-Leitbilds, das im November 2006 in zwei Workshops mit jeweils ca. 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Landkreis im Auftrag des Landratsamtes Dingolfing-Landau erarbeitet wurde. In diesem Leitfaden wurde festgelegt, dass jede Gemeinde künftig einen Seniorenbeauftragten stellen sollte, der sich mit dem demografischen Wandel und der Situation der älteren Bewohner in seiner Heimatgemeinde befassen sollte. In Marklkofen nahm die Zahl der über 65-Jährigen seit Gründung von „Bürger für Bürger“ beispielsweise von 647 auf über 700 Senioren im Jahr 2014 (rund 18 Prozent der Einwohner) zu. Otto Lommer: „… und in Zukunft werden die Zahlen auf jeden Fall noch schneller steigen.“

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Lebensqualität in der Gemeinde weiter verbessern

Doch der Initiative ging es insgesamt darum, „die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern“, daher wurde das Angebot von „Bürger für Bürger“ auf alle Altersgruppen ausgeweitet, denn Unterstützung können beispielsweise auch alleinerziehende Mütter oder Väter in manchen Situationen sehr gut gebrauchen. Besonders die Mobilität spielt bei der Lebensqualität spielt eine große Rolle, da immer weniger Unternehmen bereit sind, kleinere Filialen in der Mitte einer Gemeinde beziehungsweise in Gemeindeteilen zu betreiben. Daher sind die Einkaufsmöglichkeiten, die zu Fuß erreichbar sind meist sehr beschränkt. Beispielsweise gibt es seit einiger Zeit auch in Steinberg kein Lebensmittelgeschäft mehr. Hier engagierte sich die Gemeinde umgehend und zum Glück sprang die Bäckerei Weber zumindest soweit möglich in die Bresche und unterhält nun einen kleinen Laden im Gebäude des Steinberger Kindergartens mit Backwaren und den wichtigsten Grundnahrungsmitteln. Otto Lommer: „Auch in Poxau hat die Bäckerei Schleich nur stundenweise geöffnet – aber immerhin. Und in den anderen Ortsteilen inklusive Marklkofen selbst sieht es auch nicht viel besser aus.“ In diesem Zusammenhang wurde mit dem Bürgermeisterkandidaten auch eine Busverbindung, wie sie Frontenhausen zum Kreisel eingerichtet hat, diskutiert. Allerdings scheint die momentane Regelung dort auch noch nicht optimal zu sein.

dreamstime_l_1085882-seniorEin weiteres Thema, das Peter Eisgruber-Rauscher ansprach, war das Thema „Barrierefreiheit“, das fängt bei abgesenkten Gehsteigen an und geht bis zum behindertengerecht ausgestatteten Kindergarten, der erst vor ein paar Wochen – nach monatelangen Umbauarbeiten – eingeweiht wurde. Ein weiterer, wenn auch sogenannter „weicher Faktor“ ist, das aktive Miteinander von Alt und Jung. Peter Eisgruber-Rauscher, der in einem Dreigenerationenhaushalt aufgewachsen ist und auch heute mit seiner Familie mit drei Generationen unter einem Dach lebt, lag dieses Thema besonders am Herzen und er stimmte mit „Bürger für Bürger“ überein, dass alles getan werden sollte, ältere Menschen, besonders jene, die nicht in der Nähe ihrer Familie leben, alle Möglichkeiten haben sollten, am gesellschaftlichen Leben in der Gemeinde teilzunehmen. Damit Angehörige, wenn sie möchten, auch in der Nähe der Eltern bauen können, hat die Gemeinde beispielsweise die Bebauungspläne in den einzelnen Ortsteilen, wo immer es möglich war, angepasst. Noch unter der ehemaligen Leiterin des Kindergartens in Marklkofen, Marianne Bauer, wurde die Begegnung von Alt und Jung zu beiderseitigem Nutzen aktiv in den Kindergartenalltag integriert: Senioren backen mit den Kleinen Apfelkücherl oder Plätzchen, bauen Vogelhäuschen oder engagieren sich als Lesepaten. Otto Lommer: „Ich weiß immer nicht, ob sich die Kinder mehr über die Begegnung freuen oder die Senioren.“

Dorfmitte beleben

Auch das Thema „altersgerechtes Wohnen“ ist in der Gemeinde seit einigen Jahren ein Thema. Beispielsweise wurde mit dem Wohn- und Geschäftshaus in der Dorfmitte bewusst eine Wohngelegenheit geschaffen, wo Alt und Jung sich wohlfühlen sowie Senioren die Möglichkeit haben, zentral in die Dorfmitte zu leben, wenn Sie ihr bisheriges Zuhause nicht mehr allein bewirtschaften können. Daher gehören auch barrierefreie und zum Teil behindertengerechte Wohnungseinheiten zum ganzheitlichen Konzept der Gemeinde. Demnächst wird es im Wohn- und Geschäftshaus zudem auch ein Familien-Center mit wechselnden Angeboten geben.

Poster mit Aktivitäten in der Gemeinde Marklkofen, die die Senioren betreffen

Aktiviäten in Marklkofen für mehr Lebensqualität für Senioren

Otto Lommer erklärte dem interessierten Bürgermeisterkandidaten, dass bei der Gründung von „Bürger für Bürger“ einige Hürden, beispielsweise versicherungstechnischer Art, zu nehmen waren und das Angebot erst einmal ausgesuchte Service-Leistungen enthält, die in einem eigenen Flyer kommuniziert wurden. In Zukunft will das Netzwerk auch Veranstaltungen – ergänzend zu den Angeboten der Vereine – anbieten, die sich mit Themen speziell für ältere Mitbürger befassen, beispielsweise Gedächtnistraining, Informationen über Hörgeräte oder auch einfach nur einmal ein unterhaltsamer Abend, wie zum Beispiel mit einem Heimatdichter oder einem Alleinunterhalter, wie der beliebte Hans Meindl aus Thürnthenning.Nachdem sich Peter Eisgruber-Rauscher über den detaillierten Einblick in die Arbeit der ehrenamtlichen Initiative und in die allgemeinen Herausforderungen des demografischen Wandels bedankte und sich kurz vorstellte, bekräftigte er bei der Vorstellung seiner persönlichen Ziele, dass er sich auch weiterhin mit aller Kraft dafür einsetzen werde, dass mehr Leben in die Ortschaft hineinkommt und damit das Angebot gerade für ältere Menschen leichter erreichbar wird und die Lebensqualität im Alter nicht zwangsläufig nachlässt.

Peter Eisgruber-Rauscher: „Das ist, wie wir alle wissen, gerade im ländlichen Raum nicht ohne Schwierigkeiten. Die Hindernisse sind groß. Aber auch, wenn es im Moment noch wie eine Utopie klingt
… Auch Träume kann man verwirklichen, wenn man sich gemeinsam dafür einsetzt.“

Im Anschluss gab es noch eine rege Diskussion und viele Verbesserungsvorschläge – kleine, wie große, die das Leben in der Gemeinde für alle Altersgruppen noch lebens- und liebenswerter machen. Die spontan entwickelten Ideen reichten von einem fahrbaren Verkaufsstand bis zur Intensivierung des Wochenmarktes, wozu auch wieder Bänke zum Ausruhen und für einem kleinen Ratsch mit Nachbarn und Freunden gehörten, wie sie zur anfangs zur Eröffnung des Marktes bereitstanden.

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