„Kirche und Wirtshaus“ zu Gast in Marklkofen

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Am 9. März 2014 stand Marklkofen im Fokus der kulturellen Reihe „Kirche und Wirtshaus“, die sich an diesem Tag zum 61. Mal auf die Spuren altbayerischer Lebensart machte. Die Organisation von „Kirche und Wirtshaus“ liegt in der Verantwortung von Heidi Feicht, Tourismusreferentin des Landkreises sowie der Katholischen Erwachsenenbildung, vertreten durch den 2. Vorsitzenden Rudi Kramer. Initiiert hatte die historischen Zeitreise durch die Geschichte der „Perle des Vilstals“ und des „Alten Wirts“ Peter Eisgruber-Rauscher, Kandidat für das Amt des ersten Bürgermeisters von Marklkofen.

kw2-DSC00485Nach dem Orgelspiel von Getraud Staffler begrüßte Heidi Feicht die zahlreichen Besucher in der Pfarrkirche von Marklkofen. Danach hatte Kirchenverwaltungsmitglied Richard Strasser die Herausforderung zu meistern, rund 800 Kirchenjahre der Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt auf nur ganze 30 Minuten zusammenzufassen. Erste Spuren menschlichen Lebens gehen im Vilstal bis auf die Eiszeit zurück. Bodenfunde belegen dass die Besiedelung bereits in der jüngeren Steinzeit begann. Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. drangen die Kelten von Westen her ins Land. Sie gaben der Vils ihren Namen: „Filusa“, was soviel wie „krumm, gekrümmt“ hieß. Etwa 500 Jahre nach den Kelten kamen die Römer ins Land und brachten das Christentum mit. Um 500 n. Chr. überschritten dann die Germanen die Donau – sie wurden später Bajuwaren genannt. Aufgrund der Endung „…hoven“ bzw. „…kofen“ lässt sich die Gründung von Marklkofen auf die Zeit zwischen 600 bis 800 n. Chr. datieren. Der Name bedeutet soviel wie „bei den Höfen / beim Hof des Marchilo“, der wohl der erste Ministeriale war. Urkundlich wurde der Name “Marchiluhoven” erstmals in der Chronik des Klosters Baumburg (Chiemgau) im Jahre 1150 erwähnt.

Anfänge des Vilstaldoms im Dunkel der Geschichte

Das exakte Datum der Kirchengründung lässt sich nicht mehr feststellen. Es wird aber davon ausgegangen, dass bereits vorchristliche Bevölkerungsgruppen, den heutigen Standort der Kirche künstlich angelegt hatten: Unter der aufgeschütteten Erdterrasse, auf der der Vilstaldom heute steht, befindet sich jedenfalls mehrere Meter unter dem heutigen Bodenniveau eine alte, exakt verlegte Plattform aus Flusskieseln. Licht ins Dunkel kam erst um die erste Jahrtausendwende, als das Adelsgeschlecht der Poxauer im Vilstal siedelte. Sie begruben ihre Toten nicht auf dem Stammsitz ihres Schlosses in Poxau, sondern bauten auf der aufgelassenen Erdterrasse nahe der Vils eine kleine Grablegekirche. Aus dieser Kapelle entwickelte sich in den nächsten Jahrhunderten dann die „Perle des Vilstals“. Seit der Reisbacher Synode 799 gehörte das Gebiet von Marklkofen zur Urpfarrei Frontenhausen. Bis 1663 war die Kirche eine Filiale der Mutterpfarrei St. Jakob in Frontenhausen und wurde danach eine Expositur, die ebenfalls von Frontenhausen abhängig war. Erst 1916 erhob Bischof Antonius von Henle Marklkofen zur selbständigen Pfarrei.

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Die drei Mittelschiffjoche des Vilstaldoms bezeugen eine bedeutende Bauphase zu Beginn des 13. Jahrhunderts, während in den drei vorderen Mittelschiffpfeilern noch älteres Mauerwerk zu finden ist. Im Jahr 1439 stiftete der Ritter Hans von Poxau dann das St. Johannes Benefizium, baute in diesem Zusammenhang an die Südseite der bestehenden Kirche eine reich ausgestattete Kapelle an und stellte auf eigene Kosten einen Priester ein. Aufgrund ihrer sofortigen Einwölbung ist die Kapelle bis heute als vorderer Teil des südlichen Seitenschiffes im Ursprungszustand erhalten geblieben. Im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts wurde die Kirche auf die heutige Grundfläche erweitert und zwischen 1500 und 1503 wurde die komplette Kirche vom „Meister von Wolfakirchen“ eingewölbt, dessen Namen jedoch nicht überliefert ist. Bis heute wurde dieser Innenraum nicht mehr verändert.

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Während der letzten Generalsanierung erhielt der Innenraum sogar wieder seine ursprüngliche Farbgebung im sogenannten „Niederbayerisch-Ocker“. Im 17. Und 18. Jahrhundert sind durch Kirchenrechnungen diverse Reparaturen belegt und im 19. Jahrhundert wurden die ursprünglichen Altäre entfernt und durch neue ersetzt. Der älteste Ausstattungsgegenstand in der Pfarrkirche ist der gotische Taufstein aus dem 13. Jahrhundert. Während ihrer langen wechselvollen Geschichte konnte die Pfarrkirche viele Gefahren, wie beispielsweise die Wirren des 30jährigen Krieges etc. – unbeschadet überstehen und die letzte große Gefahr Ende des 2. Weltkriegs wurde von drei Buben abgewendet: Damals wollte die Wehrmacht die vordringenden amerikanischen Truppenverbände durch die Sprengung der zwei großen Eisenbahnbrücken des Ortes durch je eine 35 Zentner Fliegerbombe aufhalten. Weil die Buben eine der Bomben entschärften, wurden zwar alle Fenster der Kirche eingedrückt und zahlreiche Trümmer schlugen in die Kirche ein, aber das ganz große Unheil, das durch die zweite, dem Ort näher gelegenen Brücke entstanden wäre, konnte verhindert werden.

“Der Alte Wirt” – eines der ältesten Kirchenwirtshäuser

kw5-DSC_0006Nach einem ca. 15-minütigen Rundgang in der Kirche wechselte ein großer Teil der Besucher nun zur Location des zweiten Teils von „Kirche und Wirtshaus“ – zum „Alten Wirt“. Das Gebäude des „Alten Wirts“ stammt noch aus der Zeit des Kirchenbaus und bis heute steht es an seinem ursprünglichen Platz und gehört wohl zu den ältesten erhaltenen Kirchenwirtshäusern in Bayern. Es gab Bier und Würstl und musikalisch ließ Stefan Sirtl das alte Wirtshaus-Flair auch akkustisch originalgetreu wieder auferstehen. Mit seiner steierischen Harmonika vom Haglmo aus Mülleröd hatte er im vergangenen Jahr bei der 8. Harmonika-Weltmeisterschaft im Zillertal den dritten Platz errang.

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Gegründet wurde die Gaststätte an der heutigen Hauptstraße ebenfalls vom Adelsgeschlecht der Poxauer – wahrscheinlich schon zwischen 1230 und 1270. Schriftlich belegt ist die Existenz des Wirtshauses allerdings erst ab dem 15. Jahrhundert: 1412 war Heinrich der Poxauer als Besitzer der „Taverne in Marklkofen“ eingetragen, 1433 Matthäus von Poxau. Das Wirtshaus besaß damals die herzogliche Tafelgerechtigkeit und durfte warmes Essen anbieten. 1433 gehörte die Taverne Hans und Matthäus von Poxau zu gleichen Teilen, 1506 wurde die ganze Taverne Hans Klugheimer zugesprochen und 1522 an dessen Tochter Katharina weiter vererbt. 1541, nach Katharinas Tod erbten Schwester Margaret und ihr Mann Hans Eike zu Lichtenech. Nach dem Tod von Hans Eike Lichtenech war Margret Alleinerbin der Taverne, die sie und nach ihrem Tod im Jahr 1576 an Sohn Hans weiterverwerbte. 1599 kam die Taverne durch Heirat in den Besitz von Wilhelm von Puchberg.

Während der Adel zwar Besitzer der Taverne war, wurde der Wirtshausbetrieb von wechselnden Wirten geleitet. Als erster wird hier 1538 Hansen Neinher genannt. Leonhard Nögauer und Kaspar Pranlmeier waren zwei Wirte während des 30jährigen Krieges. Bis 1696 kamen die Wirte dann aus der Familie Aichner, danach bis 1742 aus der Familie Axenböck. 1748 scheint der Wirt Johann Michael Schwinghammer das Wirthaus gekauft zu haben – insgesamt gab es fünf Schwinghammer-Wirtsgenerationen in Folge. 1865 ist der Wirtssohn Anton Graf aus Aunkofen als neuer Besitzer eingetragen, nach dessen Tod seine Witwe. Diese wiederum heiratete einen Georg Enggruber, der den Besitz von seiner Frau erbte. 1874 heiratete Enggruber dann in zweiter Ehe die Bauerstochter Anna Ernst von Reithen. Tochter Mathilde Enggruber, brachte 1906, anlässlich ihrer Heirat mit Ludwig Eder aus Dingdorf, das Wirtshaus mit in die Ehe. Nachfolger wurde 1946 Sohn Sebastian Eder, der das Gasthaus an seine Tochter Sophie, verheiratete Lainer, vererbte. Womit wir bei der heutigen Wirtsfamilie angekommen sind.

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“Die Wirtsstube als Sitzungssaal

In den Anfängen hatte in der Gaststube, die gut beheizbar war, jedes der drei großen Marklkofener Adelsgeschlechter seinen festen Platz und die Wirtsstube diente sozusagen als Sitzungssaal. Diese Art des Austausches auf neutralem Grund scheint sehr erfolgreich gewesen zu sein, da in den Archiven des Ortes kaum von Streitigkeiten die Rede ist. So traf man hier 1663 auch die Entscheidung, den Bischof Fürst Adam Lorenz Freiherr von Törring erneut – und diesmal mit Erfolg – zu bitten, Marklkofen zu einer Expositur zu erheben. Ohne diesen gemeinschaftlichen Vorstoß von Hans von Fraunhofen, Hans Mächtling von Herrngiersdorf und Freiherr von Gumppenberg würde das weitere kirchliche Leben im Ort wahrscheinlich anders verlaufen sein. Ein anderer „geschichtsträchtiger Wirtshausbesuch“ ereignete sich 1938 im „Alten Wirt“ als die prominenten Volksmusiker Annette Thoma, Schöpferin der „Deutschen Bauernmesse“, der Volksliedsammler Wastl Fanderl sowie der Kiem Pauli, der maßgeblich zur Wiederbelebung der bairischen Volksmusik beitrug, sich dort mit dem hiesigen Kirchen-Kooperator Franz Pritscher, um sich gemeinsam an Musik und Gesang zu vergnügen. Die enge Verbundenheit zwischen der Marklkofener Pfarrkirche und dem angrenzenden, historischen Kirchenwirtshaus, zeigt sich nicht zuletzt auch am Eingang des Alten Wirts. Die beiden steinernen Löwen, die dort die jahrhundertealten Stufen bewachen trugen vom Jahr 1622 an, zusammen mit vier weiteren Exemplaren ihrer Gattung, eine Grabplatte zum Gedächtnis von Johann Christoph von Fraunberg und seiner Familie, der in der Marklkofener Pfarrkirche seine letzte Ruhe gefunden hatte.

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