Storchenhorst fachmännisch rekultiviert

storch-dt-5393887Bei strahlendstem Sonnenschein wurde heute, am Samstag, beim Hof von Peter Eisgruber-Rauscher, Gemeinderat und CSU-Kandidat für das Amt des ersten Bürgermeisters, in luftiger Höhe ein Storchennest fachmännisch rekultiviert.

Hintergrund der konzertierten Vogelschutzaktion: Die mittlerweile vielerorts eher seltenen Glücksvögel sollen beim Überflug über die Gemeinde Marklkofen ein passendes Domizil vorfinden und so motiviert werden, sich im Dorf niederzulassen. Tatkräftige Unterstützung bei der Aktion der IG Weißstorch, Marklkofen, leistete die FF Frontenhausen.

Die Vorlieben von Mister Adebar

vorbereitung-storchennestDas Storchennest hatte Peter Eisgruber-Rauscher erst im vergangenen Jahr auf den Schornstein seines Stadls montiert. Aus diesem Anlass hatte er gemeinsam mit SPD-Gemeinderat Adi Moser aus Marklkofen, der seit vielen Jahren Mitglied beim Landesbund für Vogelschutz ist und zeitweilig auch Kreisvorsitzender war, sowie Martin Maier, studierter Forstwirt und Hobby-Ornithologe aus Pilsting, parallel die „Interessengemeinschaft Weißstorch“ gegründet. Denn ganz so einfach ist die Neuansiedlung von Weißstörchen nicht, wie von Expertenseite zu erfahren war. Und so wurde das Nest mit frischen Zweigen liebevoll aufgepolstert und bezugsfertig gemacht. Besonders wichtig bei der Aktion war dabei das Bespritzen von Nest und Dach mit einer ungiftigen, aber wasserfesten weißen Dispersionsfarbe, damit der Nistplatz aus der Vogelperspektive „gebraucht und schon mal erfolgreich getestet“ aussieht. Im vergangenen Jahr wurde für diese Aktion eine Farbe auf Kalkbasis verwendet, die sich aber leider schnell auswusch – vielleicht war das der Grund, warum 2013 kein frischverliebtes Adebar-Ehepaar sich für das Storchenanwesen an der Marklkofener Hauptstraße 33 interessierte.

Andererseits war, so Adi Moser, 2013 überhaupt ein ganz schlechtes Storchenjahr. Zurückzuführen ist dies auf die allgemeine schlechte Witterungslage im Mai/Juni letzten Jahres, die ihren Höhepunkt in dem katastrophalen Hochwasser hatte. Zwar gab es 2013 mit 320 Paaren die höchste Anzahl von brütenden Störchen, die je in Bayern gezählt wurde, aber flügge gewordene Jungstörche wurden im gleichen Jahr nur 189 gezählt. Zum Vergleich: 2012 waren es 605 Nachwuchsstörche und 2011 immerhin 495. Die Erfassung der bayerischen Störche liegt in der Hand der Storchenbeauftragten Oda Wieding vom Landesbund für Vogelschutz in Hilpoltstein. Sie koordiniert bayernweit alles, was rund um die in vielen Mythen und Legenden beheimateten Vögel, die schon bei den alten Germanen als Glücks- und Segensbringer galten, in Zusammenhang steht.

Von Ostziehern und Westziehern

Störche, die in der hiesigen Region einen Nistplatz suchen – circa in der Zeit von Ende Februar bis Ende März – gehören zu den sogenannten Ostziehern. Das bedeutet, Ihre Flugroute verläuft über den Bosporus, ihr Winterquartier suchen die Ostzieher von dort aus meist südlich der Sahara, einige fliegen sogar bis hinunter nach Südafrika. Die sogenannten Westzieher haben erreichen den afrikanischen Kontinent über die Meerenge von Gibraltar. Ihr Hauptziel ist meist die Region an der Elfenbeinküste. Die Zugscheide der Ost- und Westzieher durchquert Deutschland und auch Bayern von Norden nach Süden. Aufgrund des milden Winters konnten heuer in manchen Regionen bereits einige Westzieher auf der Suche nach einem neuen Domizil gesichtet werden und so ist anzunehmen, dass auch die ersten Ostzieher bald aus dem Süden zurückkehren. Marklkofen ist jedenfalls bereits bestens vorbereitet, um dem gefährdeten Bestand der Weißstörchen, die in den vergangenen Jahren verstärkt unter Lebensraumverlust und Klimawandel zu leiden haben, eine neue Heimat zu geben. Auf ihren zwei bis viermonatigen Reisen „legen die Zugvögel täglich bis zu 400 Kilometer zurück“, berichtete Adi Moser.

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Haben sie sich für einen Brutstandort entschieden, dann sind sie in der Regel ihrem Horst treu und kommen jedes Jahr wieder, wenn ihnen der Neststandort genehm war. Dazu gehört, so Vogel-Fan Adi Moser, „dass in drei bis fünf Kilometer rund um den Horst genügend Futter vorhanden sein. In den meisten Fällen das Storchenmännchen als erster zurück und beginnt sofort mit den Renovierungsarbeiten am Horst.“ Dabei wird für die neue Brut ein etwa 10 Zentimeter hoher, schützender Rand gezogen. Rund eine Woche wartet er nun im „gemachten Nest“ auf die Rückkehr seiner Partnerin. Wenn diese in dieser Zeit nicht kommt, muss er annehmen, dass diese nicht mehr zu ihm zurückkehrt. Mister Adebar – kein Kind von Traurigkeit – wendet sich nun der nächstbesten Störchin zu, die sein Nest anfliegt, denn die Arterhaltung hat Priorität. „Kommt dennoch die bisherige Partnerin, verspätet vom Vorjahr zurück“, so Adi Moser, „sind Nestkämpf unausweichlich.“

Nachbarschaftshilfe von der FF Frontenhausen

ff-frontenhausen-drehleiterDamit – wenn alles gut geht – eine Storchenfamilie dem Bürgermeisterkandidaten in ein paar Wochen erfolgreich aufs Dach steigen kann, holte sich Peter Eisgruber-Rauscher tatkräftige Unterstützung aus der Nachbargemeinde Frontenhausen: Vom Projekt begeistert rückte Franz Wimmer, Kommandant der FF Frontenhausen, zusammen mit Sohn Sebastian, ebenfalls Mitglied der FF Frontenhausen, mit seinem imposanten Drehleiter-Fahrzeug an, dessen Leiter, ganz ausgefahren, auf stolze 24 Meter kommt. Mit dem Spezialfahrzeug, das vor zehn Jahren rund 362.000 Euro gekostet hat, werden die Frontenhausener Feuerwehrler in der ganzen Region zu Einsätzen gerufen. Wobei bei gefährlichen Brandeinsätzen in der Regel der Abstand zum Gebäude wesentlich weiter ist als bei der Storchenaktion. „In solchen Fällen schafft unser Fahrzeug“, so Franz Wimmer, „bei 12 Metern Abstand immerhin noch eine Höhe von 18 Metern, in der wir alles erreichen können“. Die nächst größere Drehleiter-Variante mit einer Leiterlänge von 32 Metern stehen den Feuerwehren von Dingolfing und Landau zur Verfügung, „aber die“, so der Frontenhausener FF-Kommandant, „kosten dann auch über eine Million Euro“.

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Und so wurde, durch die tatkräftige Hilfe samt Spezialtechnik der FF Frontenhausen die ansonsten eher mühselige Kletterpartie an diesem Samstag für alle Beteiligten und Zuschauer zu einem echten Highlight – denn wann bietet sich sonst schon einmal die Gelegenheit zu einen echten Blick aus der Vogelperspektive, wie sie sich demnächst den wohnungssuchenden Ostziehern bietet und sie hoffentlich zum Bleiben einlädt.

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