„Jugendtreff“ der ganz besonderen Art.

Vom Experiment zum „Leuchtturm-Projekt“

Gemeindejugendpfleger – ein interkommunales Projekt nimmt Fahrt auf

Marklkofen. Es begann vor rund drei Jahren als Experiment – als Manuel Asam vom Sachausschuss Jugend der Feuerwehr Marklkofen die Idee eines Gemeindejugendpflegers an den Ersten Bürgermeister von Marklkofen, Peter Eisgruber-Rauscher, herantrug. Ein Konzept, das vereinzelt schon in anderen bayerischen Gemeinden erfolgreich verfolgt wurde, um auch Zugang zu den Wünschen und Bedürfnissen jener Jugendlichen zu bekommen, die nicht in Vereinen organisiert sind.

„Unsere Kinder und Jugendlichen sind uns sehr wichtig, denn sie sind unsere Zukunft“ – ein immer wieder gehörter Satz und Anlass, eine Zwischenbilanz zum Thema „Jugend im Mittleren Vilstal“ zu ziehen. Die Beteiligten des Gesprächs waren die drei Ersten Bürgermeister der „Vilstalschiene“, Peter Eisgruber-Rauscher, Marklkofen, Dr. Franz Gassner, Frontenhausen und Rolf-Peter Holzleitner, Reisbach, sowie Regina Hurmer, Kommunale Jugendpflegerin für den Landkreis Dingolfing-Landau und Gemeindejugendpfleger Eike Brenner, den sich die drei Gemeinden teilen.

Interkommunale Jugendarbeit im Vilstal mit Vorbildcharakter

Zur Vorgeschichte: In Zeiten knapper kommunaler Kassen ist die Schaffung neuer Stellen, wie die eines amtlichen Gemeindejugendpflegers, grundsätzlich ein schwieriges Unterfangen. Als Peter Eisgruber-Rauscher die Idee an seine beiden Bürgermeisterkollegen herantrug, herrschte auch hier erst einmal große Skepsis vor. Nachdem sich aber die drei Kommunen die neugeschaffene Stelle teilten und aus dem EU-Förderprogramm „Leader“ 50 Prozent der Kosten übernommen wurden, wagten sie das Experiment – und „sind heute froh, dass wir uns dazu durchgerungen haben“, so Dr. Franz Gassner: „Die Erfolge sind hervorragend – beispielsweise sind Saufgelage an verschiedenen Plätzen verschwunden – und der Zulauf so groß, dass wir sogar räumliche Möglichkeiten für verschiedene Altersgruppen schaffen.“ Auch Rolf-Peter Holzleitner lobte die Arbeit von Eike Brenner: „Wir sind dankbar, dass er mit uns die Zukunft gestaltet. Er hat viel erreicht, was ein besseres Miteinander betrifft und ist auch an unseren Schulen mittlerweile eine bekannte Größe.“ Nachdem am 31. Dezember allerdings die „Leader“-Förderung ausläuft, stand die Zukunft des Projektes kurzfristig wieder „auf der Kippe“. Doch glücklicherweise ließ sich das Gremium im Kreistag Dingolfing-Landau vom Erfolg überzeugen und wird künftig die 50-prozentige Förderung des Projekts übernehmen. Mittlerweile ist aus der Idee, die in Marklkofen geboren wurde, ein „Leuchtturm-Projekt“, sprich Vorbild für andere Gemeinden geworden, „das weit in den Landkreis hineinstrahlt“, so Rolf-Peter Holzleitner und Peter Eisgruber-Rauscher betonte, „dass wir im Landkreis ganz anders wahrgenommen werden, wenn wir uns als Gemeinden zusammentun“. Bei dieser Gelegenheit dankte er auch Regina Hurmer, in deren Abteilung im Jugendamt Eike Brenner angesiedelt ist und sich so jederzeit auch mit anderen Fachkollegen austauschen kann.

Ideen reichen nicht – es braucht auch den Mut, sie umzusetzen

Eike Brenner bedankte sich für den Mut, den die drei Bürgermeister zeigten, als sie das Experiment starteten, „denn wenn nichts startet, kann sich auch nichts entwickeln. Wenn’s was noch nicht gibt, ist der Glaube daran, dass es klappen könnte, erfahrungsgemäß meist nur schwach. Erst wenn man erste Erfolge vorzeigen kann, dann trauen sich auch andere“ – und das hat die „Vilstalschiene“ am Modell in den letzten drei Jahren deutlich gezeigt. Darüber freute sich auch Regina Hurmer: „Die Planung für eine umfassendere Jugendarbeit begannen bei uns im Jugendamt schon 2015, aber es braucht halt auch immer jemand, der sich traut, die Ideen umzusetzen.“ Zur Stellenbeschreibung eines Gemeindejugendpflegers erläuterte sie: „Er ist kein Streetworker, der sich nur um einzelne, persönliche Schicksale kümmert. Er hat auch eine politische Aufgabe, er soll die Anliegen von Jugendlichen im Sinne aller vorantreiben.“

Soziale Arbeit ist immer Beziehungsarbeit und von anderen lernen. Dazu gehört in erster Linie Netzwerke schaffen, das heißt, möglichst viele einbinden, wie Vereine oder die Jugendbeauftragten der Gemeinden, Berufsschulen, Jugendzentren oder dem Jobcenter etc. Und nicht zuletzt geht es auch um Wertevermittlung, da Jugendliche in der heutigen Medienwelt einer Vielzahl von manipulativen und irreführenden Einflüssen ausgesetzt sind. Hier sollte die Gesellschaft „das Feld nicht einfach den Rattenfängern überlassen“. Eine vielversprechende Möglichkeit ist hier, in der realen Welt Raum und Ansprachemöglichkeiten für Jugendliche zu schaffen. Das Zauberwort heißt Zuwendung: Erreichbar sein, zuzuhören und Unterstützung anzubieten – ob bei Freizeitgestaltung, beruflichen oder ganz persönlichen Fragen und Problemen.

Deshalb versteht sich Eike Brenner, der sich bewusst ist, dass er immer auch eine Vorbildfunktion einnimmt, in erster Linie als „Brückenbauer“ und Anwalt für die Interessen der Jugendlichen. Wobei, so die drei Bürgermeister einstimmig, „oft geht’s ihm einfach nicht schnell genug, er ist ein Typ, der uns ganz schön treibt – aber das Geld wächst halt nicht auf den Bäumen.“ Eike Brenner schmunzelnd: „Ja – ein bisschen geduldiger zu sein, das musste ich wohl erst langsam lernen.“

Das Resümee des informellen Treffens: „Es geht nicht immer nur um die Vermeidung von personellen Kosten. In manchen Fällen muss man auch mal überschaubare Kosten verursachen, um größere Kosten und größeren Schaden zu vermeiden“, so Peter Eisgruber-Rauscher: „Es gibt viel zu tun, Herr Brenner!“

Text und Foto: Heike Mahler-Voll